Die ersten 25 Jahre, von 1953 bis 1978


Wenn man rückwirkend bedenkt, dass bei einem zufälligen Treffen zwischen den Herren Jans Ostgathe-Rottmann und Johann Weyer Anfang 1953 in der Spardaka an der Hochstraße Jans bei Johann die Gründungsbereitschaft mit den Worten "Mäks Du met??" erkundete, ist es erstaunlich, spannend und begeisternd, was daraus Großes entstehen kann.


Johanns kurze Antwort war damals: "Küer dovan!"


Schon kurz darauf erfolgte die Gründung durch 13 reitbegeisterte Initiatoren, die es an dieser Stelle in jedem Fall zu erwähnen gilt. Nicht deshalb, weil es eine überschaubare Gruppe war, sondern weil Sie Großartiges bewegt und umgesetzt haben. Vom Reitsport begeistert und mit viel Idealismus beseelt gaben damals im Besonderen Oma Milly Ostgathe und Jans Ostgathe die entscheidenden Impulse, den Reitsport durch Gründung eines Vereins stärker aufleben zu lassen.


Die Gründungsinitiatoren:


Leo Beckmann, Heinrich Brinkforth, Werner Humpert, Gustav Hurrelbrink, Josef Müller, Jans und Milly Ostgathe-Rottmann, Hans-Jupp Overbeck, Friedhelm Peters, Theo Resing, Dr. Kurt Weichert, Johann Weyer und Dr. Hermann Wiebringhaus.


Der Gründungsvorstand bestand dann nach der Wahl aus den Vorsitzenden Johann Weyer und Jans Ostgathe-Rottmann, den Geschäftsführern Dr. Kurt Weichert und Hans-Jupp Overbeck sowie den Schatzmeistern Werner Humpert und Leo Beckmann.


Am 13. Mai 1953 war alles in trockenen Tüchern, der Ländliche Reit- und Fahrverein stand auf einem festen und viel versprechenden Fundament. Ja, so schnell kann es gehen und auch die darauf folgen-de Zeit sollte nicht an Fahrt verlieren. Passend eben zum damaligen industriellen Vorsprung und ra-santer Entwicklung.


Die Struktur des bäuerlichen Sektors konzentrierte sich zum damaligen Zeitpunkt auf Pferdehaltung und Zucht, so dass schnell die ersten Bauernsöhne die Begeisterung entwickelten, die durch Beruf und Haltung, sowie Zucht des Pferdes geebnet wurde, sich sportlich in diesem Segment zu bewegen. So waren schnell die ersten Mitglieder gewonnen und zur Freude aller folgten reitbegeisterte Anhäng-er aus der Stadt. Der erste Reitlehrer wurde Willi Weidemann, dem es mit Bravour gelang, aus einer bunt gemischten Menge an Reitsportfreunden ein von Kameradschaft und Fairness geprägtes Team zu formen.


Noch im gleichen Jahr gab es eine erste offizielle Veranstaltung mit Standartenweihe unter Teilnahme von acht Nachbarvereinen des Kreisverbandes, 70 Reitern und großer Resonanz in der Bevölkerung. Die Repräsentation der Reiter-Pferd-Beziehung und die Intention, etwas Großartiges aufzubauen stand im Vordergrund, nicht der große Sport.


Der Verein war noch keine drei Jahre alt, da wagte man als Zeichen der Entschlossenheit den Bau einer eigenen Reithalle. Im Jahre 1955 konnte nach langer Vorbereitung und Umschiffung unzähliger Schwierigkeiten die Grundsteinlegung einer vereinseigenen Reithalle gelegt werden. In den folgenden zwei Jahren erfolgte ein beispielloser Gemeinschaftsgeist aller Mitglieder ein Bauwerk in Eigenleis-tung. Nur mal, um den Hauch des damaligen Spiegelbildes wiederzugeben: Mehr als 20 Trecker mit Anhängern absolvierten wochenlang die Strecke zum Betonwerk Müller, um die Masse an Beton heranzuschaffen. 1957 konnte die Einweihungsfeier nach tatkräftiger Unterstützung bei der Erbauung durch unzählige Helfer, Freunde, Gönner und finanzielle Hilfe der Stadt Marl gebührend absolviert werden.


Im gleichen Jahr erfolgte ein weiterer signifikanter Markstein der Vereinsgeschichte. Heinz Rohmann erklärte sich bereit, als Reitlehrer den Verein zu fördern. Willi Weidemann musste  beruflich bedingt zurücktreten. Nach über zwei Jahren der Begleitung war er zeitlich nicht mehr in der Lage, die immer größer werdende Teilnehmerzahl zu unterrichten.


Viele Namen vertraten erfolgreich die Farben des Vereins. Einen Namen für alle gilt es dabei hervor-zuheben: Herr Georg Ahlmann repräsentierte den Verein über viele Jahre hoch qualifiziert. Mit den wichtigen Voraussetzungen Disziplin, Können und Kameradschaft trägt er unermessenen Anteil in der Aufbaugeschichte.


In den ersten 25 Jahren konnten  durch eine engagierte Gemeinschaftsleistung achtbare Erfolge ver-zeichnet werden. Dazu zählt der 13-malige Gewinn der Kreisstandarte, schon damals eine begehrte und angesehene Trophäe. Die erste Standarte wurde in einem vom Verein ausgerichtetem Turnier im Jahr 1958 gewonnen. Neun mal war die Jugendmannschaft erfolgreich und 1969 und 1971 erlangte man die höchste Trophäe auf Landesebene die Provinzialstandarte. 1972 wurde die Westfalenmann-schaft mit Reitern, u.a. Theo Breil aus Marl bestückt trainiert und vorbereitet von Heinz Rohmann. Georg Ahlmann gewann in diesem Jahr und im Jahr 1976 die Westfalenmeisterschaft der Springrei-ter. Phasenweise gelang es dem Verein, bis zu drei Mannschaften für die Kreismeisterschaften zu stellen.


Durch Gemeinschaftsgeist und Einsatz aller Kräfte wurde der Verein weit über die Stadtgrenzen hinaus würdig bekannt. Aus dem anfänglichen 13-köpfigen Gründerstamm wurden schnell über 500 Mitglieder. Der Verein wurde schneller aus- und aufgebaut als in dieser industriellen Entwicklung die Fabrikschornsteine wachsen konnten.


Aus der Schule des Reitlehrers Heinz Rohmann gilt es einige Namen zu nennen, die später teilweise in anderen Vereinen als Reitlehrer aktiv wurden und gefragte Ausbilder waren. Dies soll verdeutlichen, dass in diesem Sport und im Verein St. Georg Marl Breitenarbeit geleistet wurde, die dem Sport allgemein dienlich sein sollte. Wilhelm Lochthowe, Hubert Lochthowe, Manfred Bröker, Theo Breil, Heinz Nettbrock, Willi Grätsch, Heinz Stoltenberg und Hans Garske sind hier zu nennen.